Österreich

Wo kann man am Meisten über die Gletscher dieser Welt lernen? In den Alpen natürlich! Dort gibt es sie noch: Die steilen Eismassen, die sich an die Berghänge schmiegen und die tausende Gletscherspalten bilden. Ein Gletscherkurs führte mich 2017 in diese magische Eiswelt Österreichs.

Hochtourenkurs

Am 24.9.2017, Österreich

Da ich in Zukunft wohl noch auf einigen Gletschern wandeln werde und wirklich wissen möchte, was ich tue, habe ich für ein paar Tage an einem Hochtourenkurs in den Alpen teilgenommen. Im Fokus stand dabei das Gehen mit Steigeisen, die Anwendung des Eispickels und natürlich die Seilmanschaft wie auch die Rettung aus Gletscherspalten. Ich muss sagen, dass ich selten in so kurzer Zeit so viel gelernt habe.

Der Kurs fand im wunderschönen Pitztal in Österreich statt, und unser Heim für die Tage war das Taschachhaus, das sogar eine eigene Kletterhalle zu bieten hat. Bereits am ersten Tag erhielten wir nach den 700 Metern Aufstieg eine Einweisung in die Ausrüstung und übten die Selbstrettung aus einer Spalte mit den Prusikknoten in der Kletterhalle… Am nächsten Tag ging es natürlich hinüber zum Gletscher, wo wir unter realen Bedingungen üben konnten. Ein Knoten nach dem Anderen, eine Spaltenrettung folgte der nächsten. Hier bin ich auch zum ersten Mal in eine Gletscherspalte gefallen – zum Glück absichtlich.

Natürlich darf ein Gipfel bei einem Hochtourenkurs nicht fehlen. Nach einem Aufstieg von über 1.000hm erreichten wir erschöpft, aber glücklich die Spitze eines Berges auf 3.429m.ü.M. Unser Weg führte natürlich über einen Gletscher hinauf, wobei zwei größeren Spaltengebiete passiert werden mussten. Ich werde wohl nie vergessen, wie wir über das Eis gelaufen sind und sich rechts und links von einem mehrere Spalten in die Tiefe stürzen… Doch mit der Seilmannschaft und dem richtigen Know-How ist so eine Tour nun kein Problem mehr.

Doch ich muss sagen, dass ich die Höhenluft unterschätzt habe. Auf über 3.000 Meter wird jeder Schritt anstrengend, selbst kleine Distanzen verlangen einem viel mehr ab als in geringer Höhe, wo ich bisher immer unterwegs war. Man ist einfach schnell außer Atem. Mein erster 3.000er lehrt mich wohl, die Höhe niemals zu unterschätzen. Doch so anstrengend es auch war, so grandios und einmalig war auch die Aussicht.

Mittlerweile bin ich wohl süchtig nach Gletscherspalten geworden. Es ist einfach magisch, in eine Spalte hinabgelassen zu werden – manchmal schön gemächlich, manchmal eher fallend… Am letzten Tag hat unser erstklassiger Guide uns die Möglichkeit gegeben, in eine sicher 25m tiefe Spalte zu springen. Das Einstiegsloch war nicht groß, vielleicht drei mal vier Meter. Und dann ging es ziemlich schnell zwei, drei Meter durch diesen Schlund hinab in die Tiefe. Doch plötzlich öffnete sich eine riesige Höhle unter einem! Durch das kleine Loch in der Decke dieser Höhle wurde ich tiefer und tiefer hinabgelassen und hing schließlich irgendwo in der Mitte der Höhle in der Luft, und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Unter mir war der steinige Boden zu sehen, ein kleiner Bach floss hindurch. Zu den Seiten war nichts als Eis in allen möglichen Formen und Farben und über mir öffnete sich das kleine Loch zum Himmel, durch das ich hereingekommen bin. War ich bis jetzt fasziniert vom Eis, bin ich nun endgültig süchtig danach.

Dieser Kurs ist leider viel zu schnell vorbei, doch ich freue mich dafür umso mehr auf die nächsten Abenteuer in Eis und Schnee und vielleicht ja auch auf einen nächsten Hochtourenkurs…