Oman

"Das Leben ist voller Gegensätze", warum also immer nur den Norden besuchen? Nun stand der Süden auf der Liste mit seinen heißen Wüsten und arabischen Städten. Eine Rundreise durch das gesamte Land bot einen guten Einblick in die Mentalität und die Landschaft des Omans - die ich vorher niemals für so vielfältig gehalten hätte. Von steilen Bergpisten im Osten, über die trockenen Gebiete der größten Sandwüste der Welt - der Rub al-Chali - bis hin zu fast tropischen Gebieten im Süden des Landes: Der Oman ist unglaublich bunt und hat so viel zu bieten!

Von Kokosnüssen und dem Meer

Am 27.10.2017, Oman

Von der Wüste in die Tropen; vom Sand ans Meer; von einfarbig zu bunt. Die Reise von den Sanddünen der Rub al-Chali im Norden bis nach Salala an der Küste im Süden ist wohl der abwechslungsreichste Teil der ganzen Strecke. Hier fährt man durch alle Landschaften: Erst durch die großen Sanddünen, die immer kleiner werden, dann durch eine leere, steinige Wüste, schließlich durch eine Steppe, die einen an Afrika erinnert, über einen Pass durch die Berge und schließlich in das tropische Gebiet des Omans an der Küste, wo auch die zweitgrößte Stadt des Sultanates liegt: Salala.

Unterwegs begleiten einem ständig tausende von Dromedaren, die gemütlich und tiefenentspannt vor dem Auto die Straße zu überqueren meinen, sowie Ziegen- und Kuhherden und vereinzelt Esel, die rechts und links gemütlich grasen oder sich ein schattiges Plätzchen unter einem Baum suchen.

Nach den grandiosen Aussichten im Gebirge heißt es, die Passstraße wieder bis an die Küste hinabzufahren. Dabei gibt es so viele Serpentinen, wie ich es noch nie zuvor an einem Ort gesehen habe. Man mag sich bei den ganzen Kurven und steilen Abhängen gar nicht vorstellen, wie die Bauarbeiter damals die Straße in den Hang geschlagen haben.

Nach unendlich vielen Kurven erreichten wir schließlich die Sommerstadt des Omans - hier erreichen die Temperaturen im Sommer schließlich nur schwüle 30°, während die Menschen im Norden locker 50° aushalten müssen. In Salala ist das Leben anders als im sonstigen Oman. Hier leben die Straßen; gerade in den Abendstunden. Es lohnt sich besonders, einmal abends durch die Stadt zu fahren. Hat man Hunger, dann hält man einfach vor einem Barbeque-Stand, hupt ein oder zwei Mal und schon kommt jemand ans Auto gelaufen, um die Bestellung aufzunehmen. Eine andere Art des amerikanischen Drive-Through. So kann man auch neben einem Stand voller Obst halten, um eine Kokosnuss zu schlürfen und das Kokosnussfleisch zu essen.

Wie auch in Maskat ist es hier total sauber. Man sieht fast keinen Müll und alle Autos blinken und blitzen, als wären sie nagelneu. Dies liegt am Gesetz des Sultans, das besagt, dass jeder Auto in Maskat und Salala sauber zu sein hat. Wir sind gerade einmal mit unseren dreckigen Autos aus der Wüste in der Stadt angekommen, da machten sich die Fahrer schleunigst auf den Weg, um sie durch die Waschanlage zu fahren. Das Wort des Sultans ist hier eben Gesetz.

Fährt man weiter die Küste entlang, gelangt man immer wieder zu alten Ruinen oder ganzen verfallenen Städten, die einst den Weirauchhandel zum Blühen brachten. Ob es sich um Hafenstädte handelt oder Siedlungen und Festungen entlang der Weihrauchstraße - der Weihrauch hat die ganze Region scheinbar zum Leben gebracht. Damals war es der Weihrauch, heute ist es das Öl. Was kommt als nächstes?