Oman

"Das Leben ist voller Gegensätze", warum also immer nur den Norden besuchen? Nun stand der Süden auf der Liste mit seinen heißen Wüsten und arabischen Städten. Eine Rundreise durch das gesamte Land bot einen guten Einblick in die Mentalität und die Landschaft des Omans - die ich vorher niemals für so vielfältig gehalten hätte. Von steilen Bergpisten im Osten, über die trockenen Gebiete der größten Sandwüste der Welt - der Rub al-Chali - bis hin zu fast tropischen Gebieten im Süden des Landes: Der Oman ist unglaublich bunt und hat so viel zu bieten!

Frieren bei 42°

Am 26.10.2017, Oman

Hinter den Bergen im Nord-Osten gelangt man in ein paar kleine Orte mit schönen Burgen mitten im Nichts. So schlicht diese Burgen auch von außen aussehen mögen, so durchdacht sind sie im Inneren. Angefangen mit Schießscharten und der Möglichkeit, über dem Eingang heißen Dattelsaft auf die Feinde zu kippen, geht es im Inneren weiter mit Geheimgängen, geheimen Türen für die Wachen und andere ausgeklügelten Verteidigungstechniken.

Hinter diesen Burgen gelangt man dann in das sogenannte "Leere Viertel", das seinem Namen alle Ehre macht. Dort ist wirklich nichts, nur Sand und Stein und lediglich in der Ferne gibt es einige Ölfelder, die das Land so reich machen.

Gelangt man schließlich in den Nordwesten, so befindet man sich in den Ausläufern der größten Sandwüste der Erde. 80% der Rub al-Chali liegen in Saudi-Arabien, doch die höchsten Sandberge findet man an der saudisch-omanischen Grenze.

Wir bekamen zum Glück die Erlaubnis, entlang einer Militärstraße ziemlich nah an diese Grenze zu fahren. Und tatsächlich: Rechts und links erhoben sich Berge aus Sand, manchmal über 150 oder 200 Meter hoch. Man selbst ist größtenteils auf dem geraden Plateau gefahren, das eher steinig als sandig war. Hier kam man trotz Geschaukel gut voran, was man über die Sandgebiete wohl kaum behaupten kann. Schon bei einer der ersten Dünen sind wir nämlich stecken geblieben, das Auto bis zur Tür im Sand eingegraben und nur gemeinsam konnten wir es wieder befreien.

Hin und wieder stößt man auf grüne Flecken mitten im Sand: Oasen. Dort wachsen Bäume und Sträucher, die so farbintensiv sind, dass alles ein surreales Bild ergibt. Wie kann es bei dieser Hitze und all dem Sand nur so etwas geben?

An einer Stelle würde einmal nach Öl gebohrt, jedoch Wasser gefunden. Dort können heute die Beduinen ihre Dromedare tränken, und wir konnten duschen. Wasser auf und alle drunter! Doch hat man den Wasserstrahl einmal verlassen, fing man sofort an zu frieren. Die Luftfeuchtigkeit ist in der Wüste so gering, dass jegliches Wasser quasi sofort verdunstet und mit ihm dem Körper viel Wärme entzogen wird. So paradox es auch klingt: Wir haben bei 42° gefroren.

Die Sandberge sind insgesamt einfach grandios. Sie erinnern in vieler Hinsicht ans Eis: Man muss sich gleichermaßen vor der Sonne schützen, die Sonnenbrille ist ein Muss. Manchmal ist der Sand rutschig und man findet wie im Schnee kaum Halt; manchmal ist der Boden hart wie Beton. Der Wind gräbt Muster in den Sand wie in den Schnee und kommt ein Sturm auf, dann ist das höchste Gebot sich vor den Naturgewalten zu schützen. Lediglich die Temperatur unterscheidet sich und die Farbe der Berge.

Gelangt man schließlich auf einen Gipfel eines Sandberges - nachdem man hunderte Male durch den Sand wieder zurückgerutscht ist - dann wird man mit einer einzigartigen Aussicht belohnt. Man kann mehrere Kilometer weit schauen, und irgendwo zwischen den Sandmassen verstecken sich Dromedare und Beduinen.

Das Besonderste an dieser Wüste sind aber wohl die Farben. Sie ändern sich ständig. Gerade noch scheint der Sand weiß zu sein, im nächsten Moment ist er schon orange oder rot. Gerade kurz vor Sonnenuntergang sind die Farben besonders intensiv, während sich die Sonne als riesiger, feuerroter Ball dem Horizont immer weiter nähert und schließlich dahinter verschwindet.

Ist die Sonne untergegangen, ändern sich die Farben wieder schlagartig. Man fühlt sich dem dreidimensionalen Sehen beraubt, denn es lässt sich keine Tiefe mehr im Panorama erkennen. Alles erscheint wie eine Wand, während es noch nachdämmert, bis schließlich die Sterne zum Vorschein kommen. Ein Stern gesellt sich zum nächsten, bis der Himmel voller Sterne ist und man sogar die Milchstraße erkennen kann. Leuchtet der Mond hell, dann braucht man wie im Eis keine Lampe mehr. Man kann alles auch ohne erkennen. Das Beste bei solchen Nächten ist natürlich das Schlafen unter freiem Himmel. Ohne Zelt, nur mit der Unendlichkeit des nächtlichen Himmels über und dem ewigen Sand unter einem.