Norwegen

Hin und wieder führt mich mein Weg nach Norwegen, und dann meisten in den Norden, rund um Tromsø - denn hier gibt es die Wale zu beobachten!

Arctic Nature Guide

Am 13.6.2018, Norwegen - Svalbard

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So richtig glauben kann ich es immer noch nicht. Ich habe die Zusage nun zwar schon seit drei Monaten, aber es ist immer noch nicht in meinem Kopf angekommen. Auf dem Papier steht eindeutig: "You have been accepted as a student at UIT The Arctic University of Norway".

Obwohl mein Englisch nun wirklich nicht so schlecht ist, habe ich diesen Satz wohl zehn mal in den Google Translator eingegeben und habe den ein oder anderen darum gebeten, mir diesen Satz zu übersetzen. Und immer das gleiche Ergebnis:

Ich werde am "Arctic Nature Guide"-Kurs teilnehmen. Am was? Der Arctic Nature Guide ist ein einjähriges Studium, bei dem man alles über die Arktis lernt, was man als Guide so braucht. Ob es nun um Rettung aus Gletscherspalten geht, um Expeditionen mit Ski, um Erste Hilfe, um Lawinen oder Gruppendynamiken, um Geschichten erzählen, oder um das Wissen über Pflanzen und Tiere der Arktis... Es könnte wohl keine Ausbildung auf dieser Welt geben, die besser zu mir passt.

Aber das war noch nicht das Beste, denn dieses Studium findet nicht irgendwo in einem verstaubten Lehrsaal in irgendeiner Großstadt statt, sondern im wohl besten Klassenzimmer der Welt: Der Arktis.

Nördlich des Nordkaps gibt es nämlich eine kleine Inselgruppe im arktischen Meer: Svalbard. Man könnte die "Hauptstadt" dort wohl als Tor zum Nordpol bezeichnen, denn von Longyearbyen aus starten fast alle Expeditionen zum nördlichsten Punkt unseres Planeten.

Eine kleine Siedlung mitten in der Arktis, auf 78° Nord gelegen. Was für ein Klassenraum! Hier oben leben um die 2.000 Menschen - das ganze Jahr über. Und diese Insel hat einiges zu bieten: Angefangen bei der Mitternachtssonne, bis hin zur polaren Nacht. So ist bis zum 24.8. die Sonne rund um die Uhr zu sehen, doch dafür verschwindet sie auch für fast vier Monate komplett: Dieses Jahr werde ich wohl die Sonne am 25.10. das letzte Mal sehen. Dann beginnt die Polarnacht, die dunkle Jahreszeit, in der die Sonne immer unter dem Horizont bleibt. Erst Mitte Februar nächstes Jahr wird sie sich wieder über den Horizont wagen. Dies wird wohl eine der größeren Herausforderung im kommenden Jahr.

Aber so ist das Leben in der Arktis: Es bietet seine Herausforderungen, doch gleichzeitig ist die Arktis so unglaublich schön mit all ihren Gletschern, Fjorden, Eisbergen, und den Tieren wie den Walen, Rentieren und eben auch dem Eisbär. Auf Svalbard gibt es wohl mehr Eisbären als Menschen, und diese Insel gehört eindeutig den Tieren. Der Eisbär ist hier der König, es ist sein Reich. Also werde ich wohl wieder mit einer (hoffentlich meiner) Waffe vereint, denn ohne Waffe darf man das Dorf nicht verlassen. Für den Notfall - doch ich hoffe, die Waffe nur auf dem Schießstand brauchen zu müssen.

Es wird hoffentlich ein Jahr voller Abenteuer, ein Jahr in dem ich so vieles lernen werden, in dem ich auf viele Touren und kleine Expeditionen gehe. Ein Jahr in der Arktis. Und ich kann es kaum erwarten.

Die Flüge sind gebucht, die Ausrüstung wird nach und nach ergänzt, aber immer noch kann ich es nicht glauben, wirklich am ANG-Kurs teilnehmen zu dürfen. Es ist ein Traum, der in Erfüllung geht.