Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Polar Night

Am 27.10.2018, Norwegen - Svalbard

Nun ist es also so weit: Die Sonne ist zum letzten Mal hinterm Horizont verschwunden, und wird sich erst im Februar wieder zeigen. Vor der Tür steht nun die lange Dunkelheit, die Polarnacht. Vier Monate Dunkelheit.

Doch mit der Nacht kommen gleichzeitig auch die Polarlichter. In grünen Schleiern ziehen sie öfter und öfter über den Himmel, und bald werden sie auch tagsüber zu sehen sein, wenn es gar nicht mehr hell wird. Svalbard ist schon ein merkwürdiger Fleck auf der Erde: Vier Monate Dunkelheit, vier Monate Mitternachtssonne, und dazwischen lediglich die Zeit des "Übergangs".

Wieder und wieder stehe ich nun am Rand des Ortes oder auf einem der Gletscher in der Nähe, den Blick in den Himmel gerichtet, gen Sterne und Polarlichter, die in allen Formen über einem tanzen. Manchmal verschwinden die grünen Schleier hinter den Gipfeln, manchmal schweben sie mitten über dem Himmel. Jedes Mal ist es einfach etwas Besonderes.

Doch hin und wieder trifft man auf Menschen, die den Nordlichtern keinen Respekt entgegenbringen. Die Sami glaubten, dass die Nordlichter die Seelen der Verstorbenen sind. Ob dies stimmt oder nicht, wenn man zum ersten Mal in der Wildnis steht und dieses Schauspiel am Himmel sieht, dann verstummt man eigentlich immer in Ehrfurcht und Glück, dass man so etwas erleben darf. Doch manchmal, manchmal trifft man auf Leute, die mit einer Dose Bier in der Hand dastehen und zu den Nordlichtern hinaufrufen, sie beinah anschreihen, dass sie doch stärker und schöner werden sollen. So eine Respektlosigkeit lässt sich manchmal kaum aushalten, und es bleibt nur zu hoffen, dass diese Leute in den nächsten Tagen wieder von der Insel verschwinden und uns hier in Ruhe diese Schauspiele genießen lassen.

Doch je näher der Winter rückt, desto weniger Menschen verbleiben in Svalbard. Es kommen immer weniger Touristen, und so langsam merkt man wirklich, was die Gemeinschaft hier tatsächlich ausmacht. Der Zusammenhalt ist einfach riesig, ebenso die Hilfsbereitschaft und vor allem ist immer irgendetwas los. Ein "Festival" nach dem anderen findet statt - natürlich in kleinem, gemütlichen Svalbard-Stil. Ein Vortrag nach dem Anderen, ein Event jagd das Nächste. Mal sehen, was der Winter noch so alles bringen wird.