Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Licht

Am 16.2.2019, Norwegen - Svalbard

Nun ist also die dunkle Jahreszeit offiziell vorbei. Heute war der erste offizielle Sonnenaufgang hier im hohen Norden - wobei sich die Sonne immer noch nicht blicken ließ. Schuld daran sind die Wolken und Berge, wegen denen es nun noch einige Tage dauern wird, bis wir tatsächlich die Sonne wieder sehen. Vier Monate ohne Sonne liegen hinter uns, vier Monate Winter, vier Monate Dunkelheit.

Fast jedenfalls. Denn man darf nicht vergessen, dass es bereits seit einem Monat am Himmel dämmert! Und es ist einfach unglaublich, wie sehr man sich über jede Helligkeit freut. Im Januar, das erste Licht am Himmel, wenn man es überhaupt nennen kann, und man konnte den Blick kaum von dem Lichtschimmer wenden! Dann eine Woche später, und die Berge hoben sich pechschwarz vom bläulichen Himmel ab. Und nun - nun leuchtet der Himmel in einem ganz anderen Blauton, den man gar nicht beschreiben kann. Kann stechendes Blau, aber auch kein sanftes. Ein sehr intensives, aber doch bedecktes Blau, das man so wohl nur in der Arktis finden kann. Und wenn der Himmel nicht blau leuchtet, dann manchmal auch pink! Die Farben im hohen Norden sind einfach unglaublich.

Es ist unglaublich schön, wieder Tageslicht zu haben, aber doch vermisse ich die dunkle Jahreszeit ein wenig. Diese nordische Ruhe, die man nur in vollkommener Dunkelheit so findet, ist langsam vorbei und wird ersetzt durch Entdeckerlust: So kann man gar nicht auf genügend Touren gehen, möchte jede Minute Licht ausnutzen und kommt manchmal auch auf so verrückte Ideen, einfach mal mit dem Scooter in einen der anderen Orte zu fahren.

Durch die Täler, an der Küste entlang oder über Gletscher, all dies kann man in einer einzigen Tour verbinden. Doch wenn es -20°C in Longyearbyen sind, dann sind oben auf dem Gletscher sicher -30 oder -40°C. Und dann kommt natürlich noch der Wind dazu, der gestern den Tag über stärker und stärker wurde. Und so kommt es auch, dass man trotz der dicksten Arktis-Daunen-Ausstattung auf dem Scooter friert, und anfängt, auf dem Scooter während der Fahrt zu tanzen, um durch die Bewegung ein wenig Wärme zu gewinnen. Dann ist es immer gut, als Letzter zu fahren, damit die anderen sich nicht über diesen seltsamen arktischen Scooter-Tanz amüsieren...

Bisher war ich echt stolz darauf, noch nie eine Erfrierung gehabt zu haben. Aber diese Tage sind nun vorbei: Oben auf dem Gletscher, in sicher -30°C und Wind hieß es auf einmal: "Du hast weiße Flecken im Gesicht!" Drei daumengroße Erfrierungen haben sich auf der Wange gebildet, genau dort, wo nur eine Schicht Kleidung die Haut bedeckte anstatt vier oder fünf, wie sonst überall. An manchen Tagen ist eben jeder Zentimeter Haut gefährdet, der der Kälte ausgesetzt wird.

Zum Glück war es keine schlimme Erfrierung, und schon ein wenig aufwärmen mit der Hand sorgte dafür, dass alle drei Flecken gleich verschwanden; und ein zusätzliches Buff hielt es anschließend warm. Die wundervolle Arktis zu sehen, hat manchmal eben seinen Preis.

Aber zum Glück konnten wir uns in Svea, einer norwegischen Bergbausiedlung, die in den nächsten Jahren geschlossen wird, bei einer heißen Schokolade aufwärmen, bevor unser Weg wieder zurück nach Longyearbyen führte.

So vertreiben wir uns hier im Norden den Alltag: Scooter fahren, Ski fahren, Lawinenkurs, und das Leben in einer der nördlichsten Städte der Welt ist so normal geworden, dass man manchmal vergisst, wie außergewöhnlich es doch ist und was für ein Glück wir haben, hier sein zu können.