Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Frühling

Am 14.4.2019, Norwegen - Svalbard

Die Arktis ist unglaublich schön - besonders im Frühling. Hier oben kann man sich tatsächlich noch wie ein Entdecker fühlen - wenn man in unangetastete Eishöhlen klettert, oder nach einem langen und steilen Hang oben auf dem Plateau ankommt und sich vor einem die Weite Svalbards ausbreitet, komplett in weiß, und mit tausend Bergen vor einem.

Wenn man auf der Eiskappe Svalbards Stunde um Stunde unterwegs ist, und man sich immer noch auf Gletschern befindet, und nur hin und wieder einzelne Bergspitzen das Eisdurchstoßen. Wenn man fährt und fährt und nichts als Weiß sieht - vielleicht weil man gerade in ein Whiteout gekommen ist, und nicht einmal mehr den Boden vor einem wirklich erkennen kann, geschweige denn irgendwelche Umrisse um einen herum. Die einzigen Konturen, die man dann hat, sind der eigene Scooter und die Spur, die man hinter sich her zieht. Entfernt man sich zu viele Schritte von seiner Ausrüstung, ist man verloren.

Doch dann gibt es auch die Tage, an denen die Sonne am wolkenlosen Himmel strahlt, an denen der Schnee leuchtet wie tausend Perlen, an denen man einfach nur hinaus möchte, die Welt entdecken. Denn wer weiß, womit die Arktis heute wieder einen überrascht.

Doch am liebsten sind mir manchmal die Tage, an denen wir "schlechtes" Wetter haben, an denen der Himmel sich schwarz färbt, an denen der Wind einem den Schnee ins Gesicht treibt, an denen die Berge wie bedrohliche Riesen aussehen, an denen sich das Meer an den Eisschollen mit voller Kraft bricht, an denen der Norden all seine Kraft auslässt.

Dann gibt es noch die magischen Orte hier oben aus Eis, jeder so vollkommen anders als der Andere. Das Eis türmt sich auf, mal in einer kilometerlangen Gletscherfront, mal in Eisblöcken, auf denen sich eine dünne Schicht Schnee gesammelt hat, mal in Form von Eishöhlen, wo die Wände vom Schmelzwasser abgerundet sind und sich in magischen Formen erblicken lässt.

Die Arktis ist einfach wunderschön, und jeder Tag ist anders. Sonne, Schnee, Wind, Regen, dunkle und helle Wolken, Tag und Nacht, Eisschollen, Eis, Schnee und Wasser; Svalbard kann alles sein, und alles auf ein Mal. Es ist wie ein launischer Gott, der jeden Tag aufs neue entscheidet, welches Gesicht er heute zeigen möchte.