Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Die Magie der Arktis

Am 28.3.2019, Norwegen - Svalbard

Manchmal kann ich nicht anders als zu denken, dass der Ort Longyearbyen am schlechtesten Fleck auf ganz Svalbard errichtet wurde. Okay, hier am Isfjord ist es am wärmsten, und hier gibt (oder gab) es viel Kohle, was wohl vor rund 100 Jahren ausschlaggebend für die kleine Siedlung Longyear City war.

Aber heute? Man sieht die Sonne höhnisch den Berg im Norden anstrahlen, und am Morgen auch für etwa eine Stunde den Berghang im Westen, bevor sie hinter den Bergen verschwindet und sich den größten Teil des Tages hinter Felsmassiven und Gipfeln versteckt hält. Das Tal ist eingeengt von steilen Berghängen, unmöglich zu erklimmen, die die Sonne und auch viel Licht aussperren. Während auf Svalbard die Polarnacht vier Monate lang dauert, scheint sie in Longyearbyen selbst nochmal zwei Monate länger zu sein, einfach wegen der Positionierung der Stadt.

Dass ich mein Zelt am Ende das Tals errichtet habe - am wohl allerdunkelsten Punkt in ganz Longyearbyen und als allerletztes die Sonne sehen werde, hilft natürlich auch nicht wirklich.

Und gerade wenn man hin und wieder den Ort verlässt und hinauskommt in die unendliche Weite Svalbards, wird einem bewusst, wie dunkel und eng das eigene Tal doch ist. Keine Frage, die Berghänge sind wunderschön und der Berg auf der anderen Seite des Fjordes leuchtet jeden Morgen in anderen Farben - doch ein wenig mehr Sonne im Ort wäre manchmal schon schön. Und gerade wenn man Longyearbyen mit z.B. Barentsburg vergleicht, wird einem der Unterschied schlagartig bewusst.

Doch wenn man dann hinausfährt, kommt man an manchen Tagen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Ob man im völligen Whiteout fährt und um sich herum nichts als weiß sieht, oder ob die Sonne die Berge zum Glühen bringt, oder die Wolken in allen möglichen Farben leuchten - das alles ist Svalbard.

Als ob das aber noch nicht genug wäre - manchmal hat man eine Gruppe von supercoolen Gästen, die solch eine Tour fast wie Urlaub erscheinen lassen. Eine Zwei-Tages-Tour führte uns über die Insel, natürlich mit Besuch der russischen Siedlung und der Küste, und in der Ferne konnten wir sogar einen Eisbären sehen, der eine Robbe gefangen hatte und nach dem Festmahl sich auf dem Meereis ausruhte. Gerade solch eine Gruppe lässt einen wieder merken, wie cool die Arbeit als Guide doch ist.

Svalbard ist einfach faszinierend, jeden Tag aufs Neue, und nichts hier oben ist gewöhnlich; alles ist ein wenig extremer.