Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Die Entdeckung der Langsamkeit

Am 20.3.2019, Norwegen - Svalbard

Motorengeräusche, Geschwindigkeit und hin und wieder ein wenig Adrenalin - das ist normal, wenn man mit dem Scooter durch die Arktis fährt. Die Distanzen werden gefühlt immer kürzer und kürzer, innerhalb weniger Stunden ist man in allen Nachbarsiedlungen oder an der Ostküste. Während wir im Herbst vier Tage lang gebraucht haben, um die russische Siedlung Barentsburg zu erreichen, ist es jetzt im Winter ein Ausflug von wenigen Stunden.

Doch es geht auch anders. Neben dem Scooter gibt es noch viele andere Möglichkeiten, die Arktis zu erkunden, und jede hat ihre eigenen Reize zu biete. Ob man nun den Hundeschlitten, die Schneeschuhe oder die Ski nimmt, bleibt jedem selbst überlassen.

Teil unserer Arctic Nature Guide Ausbildung sind zwei längere Skiexkursionen, für die wir mehrere Tage hinausziehen in die Wildnis und die Arktis im wohl langsamsten, aber nicht weniger schönen Stil zu erkunden.

Mit Ski und Pulka durch die Weite zu ziehen hat etwas unglaublich faszinierendes, man entdeckt die Langsamkeit wieder, vergisst den Alltag, und lebt nur im Moment. Die Tage sind simpel, und vielleicht ist es diese Einfachheit, die den Reiz des Ski-Wanderns ausmacht. Schlafen, Essen, Ski fahren, und die Arktis in ihrer Vielfalt genießen. Von -30°C und kälter bis 0°C hatten wir alles, von Sturm bis Sonnenschein - und gerade in der Sonne auf einem Gletscher bergab zu fahren ist wohl einer der besten Momente solcher Touren.

Man nimmt die Umgebung ganz anders wahr als auf dem Scooter - wenn nur ein paar Meter einen von den Rentieren trennen, oder man in einer Seilmannschaft einen Gletscher seiner Länge nach überquert. Bergauf ist es natürlich anstrengend, und manchmal scheint die Pulka alles dafür zu geben, einen wieder den Berg hinunter zu ziehen, doch wenn man dann oben am Sattel die Sonne in einer extralangen Mittagspause genießen kann, entschädigt einen die Natur für alles.

Doch natürlich läuft nicht immer alles problemlos. Von kleineren Verletzungen, Erfrierungen über Unterkühlung bis hin zum Sturm hatten wir als Gruppe einiges zu händeln und zu lernen - und genau für solche Situationen sind wir ja schließlich auch losgezogen.

Das größte Geheimnis solch einer Tour ist wohl, dass man Komfort finden muss, auch wenn bei -30°C ein ordentlicher Wind weht, und Spaß daran hat. Wie man dies erreicht, bleibt jedem selbst überlassen, aber es gibt wohl kaum etwas besseres, als nach einem anstrengenden Tag das Zelt abends auf 15°C Plus zu heizen und in guter Gesellschaft ein perfektes Abendessen serviert zu bekommen oder am Morgen einen Kollegen mit einem Becher Kaffee zu wecken und als Team zusammenzuarbeiten und sich gegenseitig auszuhelfen, wann immer es geht.

Auf den Touren hat sich die Arktis von seiner schönsten Seite gezeigt: Kalte Temperaturen, viel Sonne und einfach unglaublich Tage in einer atemberaubenden Landschaft, und hin und wieder erwische ich mich selbst bei dem Gedanken, dass diese Insel viel zu schön ist, um tatsächlich zu existieren und freue mich schon auf die nächste Gelegenheit, wieder mit Ski und Pulka loszuziehen.