Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Die blaue Jahreszeit

Am 28.1.2019, Norwegen - Svalbard

Der Januar ist nun schon fast vorbei, und ich muss sagen, es war bisher einer der schönsten Monate hier oben auf Svalbard.

Schon bei der Anreise zurück auf die Insel wurden wir von Wind und Schnee begleitet, und das Flugzeug hob zu den Worten des Captains ab: "Mal sehen, ob wir in Longyearbyen landen können". Und wenn das ein Captain sagt, der regelmäßig zwischen Svalbard und dem Festland fliegt, hat das etwas zu bedeuten. Beim Anflug auf die Landebahn wurde das Flugzeug auch dementsprechend gut durchgerüttelt, und man konnte zwar die Lichter der Landebahn sehen, doch es gab keine Chance den Boden zu erkennen, so stark blies der Wind die Schneedrift über die Ebenen. Ein Blick aus dem Fenster, und man hatte das Gefühl noch einige Meter vom Bodenkontakt entfernt zu sein, und auf einmal spürt man einen ordentlichen Ruck, gefolgt von einem Abbremsen, das eher an eine Schlitterpartie auf dem Eis erinnerte als an eine professionelle Landung einer Passagiermaschine. Aber - endlich war ich wieder in Svalbard.

Einzelne Windböen waren manchmal so stark, dass man praktisch über den Flugplatz geweht wurde, und selbst die Stewardessen warnten uns besorgt, dass wir doch bitte vorsichtig sein sollen, sobald wir die Maschine verlassen würden. Doch hier oben leben arktische Menschen, nordische Menschen, Svalbard-Menschen, und hier ist man so ein Wetter gewohnt.

Ein wenig anders allerdings ein paar Tage später: Eine Unwetterwarnung ging durch die svalbardischen sozialen Medien, extrem starke, orkanartige Windböen wurden vorhergesagt, und die halbe Stadt wurde für einen Tag lahmgelegt aufgrund des Sturmes.

Ein Sturm erhöht gerade im oberen Teil des Ortes vor allem die Lawinengefahr, und so wurden viele Häuser evakuiert und in den Hauptkern des Ortes gebracht. So auch wir - obwohl bei manchen Häusern nicht die Lawinengefahr der entscheidende Faktor war, sondern befürchtet wurde, dass manche Gebäude dem Wind nicht standhalten würden.

Im Endeffekt hat uns der Sturm nicht ganz so hart getroffen wie vorhergesagt, aber es blieb trotzdem einer der stärksten Stürme in den letzten Jahren. Ich persönlich fand allerdings den vorherigen Sturm schlimmer, vor allem weil die Sicht dort deutlich geringer war und man alle paar Meter stehen bleiben musste, mit der Hand sein Gesicht schützend und warten, bis man wieder zumindest ein paar Meter weit sehen können würde.

Dafür allerdings zeigten sich die folgenden Tage von ihrer besten Seite: Der Vollmond bestrahlte die Berghänge, und bei wolkenfreiem Himmel konnte man mehrere Kilometer weit sehen und dem ein oder anderen kam es fast so vor, als würde die Sonne am Himmel scheinen. Zumindest, wenn man die Sonne seit Oktober nicht mehr gesehen hat.

Und dann ist da natürlich das Tageslicht, das tatsächlich langsam zurückkehrt. Jeden Tag ist der Himmel heller, und manchmal hat man sogar den Eindruck, dass die Wolken von der Sonne angestrahlt werden, die sich noch irgendwo hinter dem Horizont versteckt hält. Oder zumindest vom Licht der Sonne, das irgendwo mehrmals reflektiert wird, bis es auf die Wolken trifft. Zumindest sind die Wolken manchmal deutlich heller als zuvor.

Die beste Zeit also, um mit den Ski in die Berge zu gehen. Hier in Longyearbyen gibt es natürlich keine Skilifte, doch wenn man Glück hat (oder Kontakte), dann kann es schon passieren, dass man von einem Scooter den Gletscher hinaufgezogen wird. Und dann - wenn man so nah am Tageslicht ist wie möglich, und unter einem die Lichter der Stadt schimmern, gibt es nichts besseres, als sich bergab zu stürzen und die Piste zu genießen - mit norwegischen Fjellski anstatt der Alpinski versteht sich natürlich..