Norwegen - Svalbard

Im Sommer 2018 führte mich mein Weg nach Norwegen - doch nicht irgendwohin, sondern ins exotische Svalbard. Hier im Norden, auf 78°Nord, zwischen dem Nordkap und dem Nordpol gelegen, habe ich den einjährigen Kurs zum "Arctic Nature Guide" besucht, habe in einem Zelt überwintert und kann Longyearbyen, den Hauptort Svalbards, nun mein zu Hause nennen.

Der Traum der Arktis

Am 5.6.2019, Norwegen - Svalbard

Sch, sch, sch, schsch, sch...

Das Geräusch der Ski auf dem Schnee ist das Einzige, was wir hören. Hier oben, auf dem verhältnismäßig kleinen Gletscherplateau, das uns doch ein paar Tage kosten würde es zu durchqueren, haben sich alle Geräusche der Stille der Gletscher und des Schnees unterworfen. Die Sonne strahlt vom Himmel, und nur im T-Shirt ziehen wir unsere Schlitten hinter uns her. Es geht leicht bergauf, wie den ganzen Tag bereits, doch trotzdem machen wir unsere Kilometer und sind zeitig am nächsten Campspot. Mitten in der Wildnis. Um uns herum stoßen nur noch die Spitzen der Berge durch die Gletscher hindurch, ansonsten ist alles, was wir sehen, aus Eis und Schnee.

Es ist der zweite Tag unserer kleinen "Expedition", die letzte Exkursion mit dem Arctic Nature Guide Kurs. Uns begleiten etwa 30 Gäste, für die wir selbst vollkommen verantwortlich sind, die wir in unseren Gruppen führen, denen wir die Winterroutinen erklären. Angefangen, wie man ein Zelt aufbaut, wie der Kocher funktioniert oder wie man am Besten Schnee schmilzt. Alle Kleinigkeiten, all die Sachen, die für uns mittlerweile selbstverständlich geworden sind.

Unser Job ist recht entspannt, schließlich sind wir ein Team von sechs Guides, für acht Gäste; und das Schwierigste ist es wohl, als Team von Guides zusammenzuarbeiten und jedem genügend Freiraum zu lassen, während man selbst 100% gibt. Doch es funktioniert gut; wir sind ein richtiges Team, und schnell wachsen auch unsere Gäste zusammen. Jeder hilft jedem, wir sind eine Gruppe, genau wie es sein soll, obwohl jeder einzige doch so unterschiedlich ist.

Am ersten Tag hat uns Polargirl, eines der lokalen Boote, auf dem Meereis vor einer Gletscherfront von Bord gelassen, und unser Abenteuer begann an der Eiskante, mit einem Weg ins Nirgendwo. Vor uns mehrere Tage Ski fahren, Pulka ziehen, Camp auf- und abbauen, vor allem aber die Schönheit der Arktis genießen. Denn diese hat sich von ihrer besten Seite gezeigt: Sonne, Sonne und Sonne, und wir hatten eher Probleme mit Sonnenbrand als mit Erfrierungen, wie auf den letzten Touren.

Wenn ich jetzt an die Tour zurückdenke, dann schwirrt sie wie ein Traum in meinem Kopf umher, so unwirklich und doch so wunderschön waren die Tage. Von Sonne, über Wind und auch einen Tag mit Whiteout; von Gletscherspalten, Meereis und Lawinen; von magischen Camps, Eisbärenwache mitten in der Nacht und trotzdem die Sonne am Himmel; von Füchsen, die erfolglos versucht haben, Gänse zu jagen, und natürlich vom König der Arktis, dessen große Pranken ihre Spuren im Schnee hinterließen.

Der Kontrast zu unserer letzten ANG-Tour könnte wohl kaum größer sein. Anstatt -20° oder -30°C hatten wir Plusgrade und manchmal sogar Windstille, dass es selbst im dünnsten T-Shirt zu warm war. Anstatt zu frieren, mussten wir uns eher Gedanken darüber machen, nicht zu überhitzen. Und das in der Arktis. Der Mai ist eben Sommer, und "Summer Ski Trip" trifft einfach wortwörtlich zu. Doch trotzdem hatten wir natürlich unsere Herausforderungen: Von starkem Wind, Schneemauern, die in der Sonne zerschmolzen sind, Gletscherspalten und Seilmannschaften - doch all das lässt sich in einem guten Team problemlos lösen.

Mir bleibt nur übrig, mich bei allen für diese wunderschöne Tour zu bedanken, und während ich langsam aus dem Traum der Arktis erwache, nur um zu merken, dass dies hier mein zu Hause ist; nähert sich der Arctic Nature Guide Kurs langsam seinem Ende, und vor einem liegt ein Leben voller Möglichkeiten.