Island

Mein Aufenthalt in Island war extrem spontan: Da ich die Arbeitserlaubnis für Grönland nicht erhalten habe und sowieso nach Island ausreisen musste, entschied ich mich, zwei Monate lang nur mit Zelt und per Anhalter durch das Land zu reisen. So erkundete ich viele schöne Ecken, lief den bekannten Fernwanderweg Laugarvegur, wanderte an der Ostküste und besuchte viele, viele Sehenswürdigkeiten auf der gesamten Insel.

“Secret places”

Am 17.9.2017, Island

Gibt es in Island überhaupt noch – abgesehen von den Westfjorden – wirkliche Geheimtipps? Sehenswürdigkeiten, an denen nicht Busse voller Touristen halten und die völlig überlaufen sind? Meine letzten Tage in Island verbringe ich zusammen mit einer guten Freundin und es stehen natürlich die normalen Sehenswürdigkeiten auf dem Plan, aber auch hin und wieder etwas abgelegenere Orte.

So zum Beispiel der Bruarfoss, den ich zum schönsten Wasserfall in Island ernenne. Er liegt so nah am Geysir und doch besuchen ihn nur wenige Touristen. Also ein gutes Ziel für uns, vor allem, weil ich noch nicht dort war. Nach einer kurzen Autofahrt mit einem amerikanischen Ehepaar begaben wir uns also auf die Suche nach diesem Wasserfall. Ein Zaun, eine Brücke und zehn Minuten später sahen wir ihn dann endlich vor uns: Den besondersten Wasserfall, den ich je gesehen habe. In der Mitte des Stroms leuchtet das Wasser nämlich hellblau!

Unsere Tour führte uns bis zum Jökulsarlon, der natürlich wieder einmal komplett anders aussah als letztes Mal. Das Eis ändert sich ständig. Doch in dieser Region gibt es noch mehrere Gletscherlagunen. Der Jökulsarlon ist wohl die beeindruckenste und am leichtesten zu erreichende Gletscherlagune, doch die kleineren haben auch ihren Reiz und sehen teilweise komplett anders aus. Diese Region mit ihren Gletschern, Eisbergen und Wellen am Strand gehört für mich definitiv mit zum Besten, was Island zu bieten hat.

Eine Wanderung im Skaftafell darf natürlich auch nicht fehlen. Gerade hier lohnt es sich, den kleineren Pfaden zu folgen, da diese nicht so überlaufen sind und einen manchmal ziemlich nah an einen Gletscher führen.

Doch so richtig geheime Plätze gibt es in Island wohl kaum noch. Dafür ist dieses kleine Land viel zu überlaufen mit Touristen. Die Werbekampagne der Isländer in Deutschland und Frankreich hatte wohl großen Erfolg. So schön dieses Land ist, genauso überlaufen und teuer ist es leider auch.

Nachdem ich nun zwei Monate lang mit Rucksack, Zelt und per Anhalter durch Island gereist bin, kann ich eines sagen: Dieses Land ist wunderschön und sehr abwechslungsreich, jedoch leider viel zu teuer und gerade im Juli und August ziemlich mit Touristen überfüllt. Eine wirklich gute Möglichkeit ist es daher, per Anhalter von A nach B zu kommen, besonders wenn man bedenkt, dass man für eine Inselumrundung mit dem Bus locker mal 300€ auf den Tisch legen muss.

Im Durchschnitt musste ich etwa 10 Minuten auf mein “Taxi” warten, was wirklich nicht lange ist. Natürlich kann es immer mal passieren, dass man mal an einer Stelle zwei Stunden warten muss oder auch das erste Auto stoppt, doch in der Regel kommt man auch auf diese Weise recht gut voran. Ist man alleine oder zu zweit als Frauen unterwegs, wartet man auch wesentlich kürzer, als wenn ein Mann dabei ist. Einmal traf ich auf zwei große, bärtige Männer, die sich beschwert haben, dass für sie nie ein Auto stoppt. Wen wundert es…

Island hat wirklich viel zu bieten, doch man sollte sich auf alle Fälle die Zeit nehmen, auch die nicht so touristischen Ziele zu besuchen. Diese sind manchmal sogar schöner als die Ziele der “Normaltouristen”. Zu meinen Lieblingsplätzen in Island gehören daher der Bruarfoss, allerdings auch trotz der Menschenmassen Landmannalaugar und Jökulsarlon. Diese Regionen sind einfach grandios.

Nachdem ich nun zwei Monate lang mein Zelt bewohnt habe, wird es nun wieder Zeit, in ein richtiges Haus zurückzukehren, ein richtiges Bett zu genießen und sich nicht wieder überlegen zu müssen, wo man denn sauberes Wasser zum Kochen herbekommt. Allerdings habe ich dann auch nicht mehr die grandiosen Aussichten aus meinem Zelteingang, die das Zeltleben einfach mit sich bringt.

So führt mich mein Weg also wieder nach Keflavik in ein Flugzeug Richtung Zivilisation. Hinter mir liegen 56 Nächte im Zelt und eine Nacht in einem isländischen Sommerhaus. Über 3200km in Autos, Wohnmobilen und LKWs, 116km im Bus, 19km auf dem Pferderücken, weit über 200km Kilometer auf den eigenen Füßen und tausende neue Erfahrungen.