Island

Mein Aufenthalt in Island war extrem spontan: Da ich die Arbeitserlaubnis für Grönland nicht erhalten habe und sowieso nach Island ausreisen musste, entschied ich mich, zwei Monate lang nur mit Zelt und per Anhalter durch das Land zu reisen. So erkundete ich viele schöne Ecken, lief den bekannten Fernwanderweg Laugarvegur, wanderte an der Ostküste und besuchte viele, viele Sehenswürdigkeiten auf der gesamten Insel.

Die Dusche am Myvatn

Am 28.8.2017, Island

In der Nähe des Myvatns findet man – im Gegensatz zum Süden des Landes – Bäume und es ist schön, nach so langer Zeit wieder das Rascheln der Blätter im Wind zu hören. Hier sollen sich auch Rentiere im Wald verstecken, aber bis jetzt hat kein Zeichen ihre Anwesenheit verraten. Aber Vögel am Himmel gibt es hier jede Menge und hin und wieder glauben sie, dass mein Zelt ein schöner Platz zum ausruhen sei und dass ich mich über ein Geschenk in Form von weißen Hinterlassenschaften auf meinem grünen Zelt freuen würde….

Hier im Norden kommt man früher oder später unweigerlich am Myvatn vorbei. Und mit seinen heißen, blubbernden Schlammlöchern, den dampfenden Solfataren, den bunten Bergen und den Höhlen mit heißen Wasser sind hier Stopps auch ein Muss. So schön die Krater, das blaue Wasser und die gelben Schwefelablagerungen auch sind, so laut ist die Natur auch manchmal: Wenn die Gase mit aller Gewalt aus dem Boden entweichen, kann man sich schon mal wie am Frankfurter Flughafen fühlen. Obwohl man mitten in der Natur steht, sind die Geräusche ähnlich. Fehlen nur noch die Menschenmassen und die Autos.

Das wahre Highlight der gesamten Region ist aber wohl die Dusche. Und damit meine ich nicht irgendeine, sondern DIE Dusche am Myvatn. Tag und Nacht strömt aus ihr Wasser heraus – und das direkt neben der Straße. Kein Vorhang schützt vor Blicken, keine Umkleidekabine erleichtert das Umziehen auf dem matschigen Grund. Es steht einfach eine Dusche mitten im Nirgendwo, der Wind treibt das Wasser mal in diese und mal in jene Richtung und dieses Bild wird nur durch das Waschbecken daneben vervollständigt.

Als ich einen Mitarbeiter des Geothermalkraftwerkes, der mich mitgenommen hatte, danach fragte, lächelte er verschmitzt und erzählte mir die Geschichte dieser Dusche: Sie wollten hier eine Bohrung durchführen und unerwartet schoss warmes Wasser in die Höhe, anstatt dass sie welches wie üblich hineinpumpten. Also beschlossen sie kurzerhand, dieses Wasser zu nutzen und eben diese Dusche dorthin zu setzen. Und sie wird auch gerne angenommen, um die Schuhe vom Matsch zu säubern, von Backpackern (endlich denkt mal jemand an uns!) oder um den künstlichen Regen zu genießen, wenn die Sonne vom Himmel strahlt. Irgendwie muss Island ja sein Klischee vom ewigen Regen erfüllen…