Island

Mein Aufenthalt in Island war extrem spontan: Da ich die Arbeitserlaubnis für Grönland nicht erhalten habe und sowieso nach Island ausreisen musste, entschied ich mich, zwei Monate lang nur mit Zelt und per Anhalter durch das Land zu reisen. So erkundete ich viele schöne Ecken, lief den bekannten Fernwanderweg Laugarvegur, wanderte an der Ostküste und besuchte viele, viele Sehenswürdigkeiten auf der gesamten Insel.

Das Biest

Am 9.8.2017, Island

Das Meer ist nun schon fast zum Greifen nah und trotzdem können wir es noch nicht sehen. Schuld daran ist die Bergkette mit zwei vergletscherten Vulkanen, die vor uns liegt. Hinauf und hinab müssen wir, insgesamt fast 30km Wegstrecke vor uns. Bei schönstem Wetter starteten wir also den Aufstieg. Immer hinauf, selten hinab und der Ausblick wurde immer besser. Erst konnten wir über þhorsmörk schauen und den Weg zurückverfolgen, den wir schon hinter uns hatten, bis der Weg in die Bergwelt hinein führte. Rechts und links taten sich Schluchten mit kleinen Bächen auf und es ging immer weiter an den grünen Hängen entlang. Auf ein Mal öffnete sich vor einem mitten in den Bergen ein etwa zwei Kilometer langes, komplett flaches Plateau. So etwas ist wohl nur in Island möglich. Oben auf dem Pass angekommen führte der Weg allerdings noch einige Male auf und ab, man glaubte hinter jedem Hügel endlich das Meer sehen zu können, doch man sah nichts außer weiteren Hügeln und Schneefeldern. So wählten wir auch einen passenden Namen für diese Bergkette: Sie wird uns in Erinnerung bleiben als “das Biest”.

Es ging an einem der jüngsten Lavafelder der Welt vorbei, das 2010 beim Ausbruch des Eyafallajökull entstanden ist. Die Lava hier ist irgendwie viel rötlicher mit einem leichten Lila-Stich im Vergleich zu den bisherigen Lavafeldern. Und hier oben in den Bergen ist es natürlich auch nicht halb überwachsen wie sonst. So viel Chaos dieser Vulkan damals ausgelöst hat, so ruhig und friedlich lag er heute da.

Doch in der Ferne schob sich eine breite Regenfront heran und wir hofften, dass sie an den Bergen hängen bleiben wird. Schnell also auf die andere Seite und hinab ins Tal. Und schließlich sahen wir auch das Meer! Es wirkte fast, als läge nicht das Meer vor uns, sondern als wären wir unter Wasser. Hier oben spielt das Gehirn einem schon den ein oder anderen Streich.

Nun begann auch der Abstieg, vorbei an einer weiteren, überteuerten Hütte, immer an einem Fluss entlang ins Tal. Immer wieder öffnete sich der Blick auf Wasserfälle, die in tiefe Schluchten stürzen, doch die lange Strecke zehrte an uns und wir konnten die Aussichten nicht wirklich genießen. Die Füße riefen nach einer Pause, doch der Weg war noch weit. Wir hatten uns fest in den Kopf gesetzt, den Zielort Skogar zu erreichen und so ließen wir einen Kilometer nach dem anderen hinter uns. Müde und erschöpft kamen wir schließlich am Abend an und fielen in unsere Schlafsäcke, nach etwa 30km und viel zu vielen Höhenmetern.