Grönland

2017 erhielt ich die Möglichkeit, für drei Monate lang am Ende der Welt in Ostgrönland zu leben. Hier erklimm ich einen Berg nach dem anderen, wanderte auf Gletschern, fuhr mit Jägern zur Robbenjagd hinaus und genoss das Leben im kleinen Ort, in dessen Fjord hunderte Eisberge schwammen. Der Höhepunkt war dabei wohl der Helikopterflug zum Inlandseis und eine zweiwöchige Wandertour, bei der ich als zweiter Guide arbeitete.

Gletscher

Am 26.6.2017, Grönland

Eigentlich sollte heute ein ruhiger Tag werden mit Faulenzen und Lesen in der Sonne. Doch an einer schönen Stelle angekommen, fing einer der Berge an zu rufen… Und solch einem Ruf kann man doch nicht wiederstehen. Also musste ich bis zum Gipfel laufen. Die Aussicht war grandios. Gerade, da der Nebel hineinzog und ein schönes Muster ergab, durch das man hin und wieder den Fjord und den Ort erkennen konnte.

Doch sobald ich an diesem Gipfel angekommen war, fing schon einer der Gletscher in der Nähe an zu rufen. Also bin ich – über einen weiteren Gipfel – zu diesem Gletscher hin. Er ist extrem einfach zu begehen, hat kaum Spalten. Fast schon ein toter Gletscher.

Auf so einer riesigen Eisfläche fühlt man sich plötzlich frei. Man kann überall hingehen, wo man hin möchte: Ob bergauf bis zum nächsten Gipfel oder hinab ins Tal. Ein Gletscher ist totale Freiheit. Diese Eismassen sind einfach faszinierend, und gerade wenn man auf dem Eis selbst steht, büßt er nicht im Geringsten etwas von seiner Faszination ein – im Gegenteil.