Grönland

2017 erhielt ich die Möglichkeit, für drei Monate lang am Ende der Welt in Ostgrönland zu leben. Hier erklimm ich einen Berg nach dem anderen, wanderte auf Gletschern, fuhr mit Jägern zur Robbenjagd hinaus und genoss das Leben im kleinen Ort, in dessen Fjord hunderte Eisberge schwammen. Der Höhepunkt war dabei wohl der Helikopterflug zum Inlandseis und eine zweiwöchige Wandertour, bei der ich als zweiter Guide arbeitete.

Fisch und Fleisch

Am 24.6.2017, Grönland

In einem Land, in dem sich die Menschen Jahrtausendelang von dem ernährt haben, was das Meer zu bieten hat, steht natürlich auch heute noch oft Fleisch und Fisch auf der Speisekarte. Wie oft ich nun schon Eisbär, Wal oder Robbe gegessen habe, kann ich gar nicht mehr sagen. Eisbär zum Beispiel schmeckt mit viel Öl am Besten, ohne ist es etwas trocken. Wenn ich Eisbärenfleisch beschreiben müsste, würde ich sagen, dass es wie normales Rindfleisch aussieht, aber eher nach Robbe schmeckt. Und Robbe wiederum schmeckt sehr nach Fisch. Kein Wunder, denn Eisbär frisst Robbe und Robbe frisst Fisch.

Vom Fett der Robbe – und davon gibt es reichlich – sollten Europäer nicht zu allzu viel essen, da wir es nicht so gut vertragen sollen. Das wurde mir aber erst gesagt, nachdem ich alles aufgegessen hatte… Es schmeckt aber ziemlich gut. Und Wal - der gehört wohl mittlerweile zu meinen Lieblingsgerichten, vorausgesetzt er ist richtig zubereitet. Ob Finnwal, Narwal oder irgendein anderer Wal: Sie schmecken alle ziemlich gut.

So passiert es hier immer wieder, dass eine Tüte mit rohem Fleisch durch die Lodge in die Küche getragen wird. Allein das ist schon für europäische Augen ein seltsamer Anblick. Wenn man dann aber in die Küche kommt und in der Spüle liegt einfach so ein Fisch oder man kommt herein und vor einem wird gerade ein halber Moschusochse verpackt, dann weiß man endgültig, dass man in einer anderen Welt ist.

Sollte man Abneigung gegen jegliche Art von rohem Fleisch hegen, dann ist es vielleicht keine so kluge Idee, nach Grönland zu kommen. Hier gehen die Menschen komplett anders mit dem Fleisch und Fisch um als in Deutschland. Während Deutsche sich meist davor ekeln, gehört rohes Fleisch hier einfach zum Alltag dazu. Da kommt wieder einmal die seltsame Haltung von Europäern zum Vorschein: Wir ekeln uns vor rohem Fleisch, wollen es aber fertig zubereitet essen… Vielleicht denken wir so, da wir es nicht von klein an gewöhnt sind, immer wieder rohes Fleisch zu sehen.

Was wir hier essen, kommt meist aus Grönland. Moschusochse zum Beispiel gibt es zwar nicht in dieser Gegend, da hier zu viel Eis und Schnee ist, aber etwas weiter nördlich und an der Westküste Grönlands traben diese Tiere in Scharen durch die weiten Ebenen. Genauso Rentiere. Fisch kommt oft aus Westgrönland oder aus Island, während Robbe, Narwal und Eisbär eigentlich immer vor Ort gefangen wurden. Und die Qualität unterscheidet sich in solchen Maßen von dem Fleisch, das wir in deutschen Supermärkten kaufen können!