Finnland

Seit ich das erste Mal im Jahr 2012 nach Finnland kam, bin ich von diesem Land fasziniert. Diese Weite, diese Wildnis, diese simple Schönheit des Landes. Daher musste ich einfach zurückkehren: Im Winter 2013 / 2014 sowie Winter 2017 / 2018 lebte ich in Finnland, um als Guide Hundeschlittentouren zu führen. So fuhr ich fast täglich mit bis zu 33 Hunden hinaus, um auch anderen diese einmalige Winterwelt zu zeigen.

Die Magie der Nacht

Am 6.3.2018, Finnland

Die Tage im Norden haben schon so vieles zu bieten: Vom strahlend blauen Himmel bis hin zu lila, orange oder feuerrot eingefärbten Wolken ist einfach alles dabei. Doch irgendwann kommt die Dämmerung, die oft so herrliche Sonnenuntergänge bietet, dass die Landschaft eher wie ein Gemälde aussieht als wie eine reale Landschaft, in der man sich gerade wirklich befindet.

Der Vorteil am Sonnenuntergang im Norden ist, dass er ewig dauert. Wenn man sich am Äquator sich nur einmal kurz umdreht, verpasst man schon den Sonnenuntergang; doch hier kann er mehrere Stunden dauern. Die Farben ändern sich ganz langsam, ganz allmählich, einfach der Ruhe des Nordens entsprechend.

Und nach der Dämmerung kommt schließlich die Nacht. Und sie bringt - wenn man Glück hat - Nordlichter mit sich. Und Nordlichter sind immer ein fantastisches Phänomen. Wie sie am Himmel tanzen, mal langsam, mal schnell. Mal in einem großen Streifen, mal in vielen Schlieren. Wie ein Vorhang oder wie ein Schleier ziehen sie sich über den nächtlichen sternenbedeckten Himmel. Es ist jedes Mal fantastisch.

Nordlichter in Finnisch heißen "Revontulet", was Fuchsfeuer bedeutet. Nach einer uralten Legende entstehen die Lichter, wenn Füchse über den Himmel rennen und mit ihren Ruten den Schnee und die Berge streifen, wodurch Feuerfunken entstehen, die man in Form der Nordlichter am Himmel tanzen sieht. Oder - eine etwas andere Variante - spricht davon, dass die Füchse den Schnee aufwirbeln, der im Mondlicht leuchtet und somit die Nordlichter verursacht.

Einer anderen nordischen Legende nach ist das Nordlicht Blitz und Donner des Gottes Thor, oder eben auch ein böses Omen, dass Seuchen oder Hunger bringen wird.

Die Sami wiederum glaubten, dass es sich um die Seelen der Verstorbenen handelt, und genau deshalb sollte man auch nicht über sie sprechen. So darf man auch nicht schlecht über die Nordlichter reden oder sie reizen, denn dann kommen sie auf die Erde, greifen nach einen und zerren einen hinauf in den Himmel...

Doch eines ist sicher: Egal, an was man auch glauben mag, die Nordlichter sind jedes Mal faszinierend, auch wenn sie nur ganz schwach am Himmel zu sehen sind. Man steht bei -25°C auf dem See, mit kalten Füßen und zittert, und trotzdem möchte man nur noch ein klein wenig länger draußen bleiben, um dieses besondere Spektakel noch ein wenig genießen zu können. Denn mindestens ein Mal im Leben sollte man diese magischen Lichter gesehen haben.