Finnland

Seit ich das erste Mal im Jahr 2012 nach Finnland kam, bin ich von diesem Land fasziniert. Diese Weite, diese Wildnis, diese simple Schönheit des Landes. Daher musste ich einfach zurückkehren: Im Winter 2013 / 2014 sowie Winter 2017 / 2018 lebte ich in Finnland, um als Guide Hundeschlittentouren zu führen. So fuhr ich fast täglich mit bis zu 33 Hunden hinaus, um auch anderen diese einmalige Winterwelt zu zeigen.

Die helle Jahreszeit

Am 16.3.2018, Finnland

Im hohen Norden gibt es nicht vier Jahreszeiten, sondern fünf.

Da wäre natürlich der grüne Sommer im Juni und Juli, bei dem zwei Farben dominieren: Das Grün der Bäume und das Blau des Wassers und des Himmels. Und dazwischen all die Tiere, die die Wärme der Sonne genießen.

Doch langsam ändert sich die Farbe der Landschaft, das Grün weicht den bunten Farben des Herbstes: Orange, Braun, Rot. Die Ruska, die finnische Version des Indian Summer, ist im vollen Gange. Die Natur zeigt sich noch einmal in ihrer schönsten Seite, bevor der Winter und der Schnee kommt.

Denn die nächste Jahreszeit ist der dunkle Winter. Es schneit, die Seen frieren zu, die Landschaft wird erst eisig, dann weiß. Der Schnee türmt sich auf, kommt in Massen vom Himmel, bleibt liegen und alle Farben weichen dem Weiß. Die Sonne sinkt von Tag zu Tag tiefer, versteckt sich ganz hinter dem Horizont oder den Bäumen und nur wenn man Glück hat, sie man sie manchmal golden hinter den Bäumen leuchten. Doch sie spendet keine Wärme mehr, dafür darf man allerdings das Lila erleben, in das sich die Wolken nun so oft zeigen.

Der dunkle Winter endet irgendwann im Januar, wenn alle Bäume verschneit wie versteinerte Riesen am Wegesrand stehen, sich unter ihrer Last nicht mehr rühren können. Dann kommt die helle Jahreszeit, die Jahreszeit des glitzernden Schnee, die Jahreszeit der immer höher steigenden Sonne, die Jahreszeit der zurückkehrenden Vögel. Es ist hell, so unglaublich hell, dass man kaum noch ohne Sonnenbrille unterwegs ist. Alles leuchtet, der Schnee glitzert, der Winter zeigt sich von seiner schönsten Seite.

Doch danach wird die Jahreszeit des großen Schmelzens kommen, wenn alles taut, sich ganz Finnland in ein riesiges Sumpfgebiet verwandelt. Die ganzen Massen an Schnee müssen irgendwo hin - und am Besten hat man hier immer seine Gummistiefel parat.

Momentan befinden wir uns also in der hellen Jahreszeit, alles leuchtet, die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Fährt man mit dem Hundeschlitten durch diese weiße Wunderwelt, dann kann man sein Glück kaum fassen. Für die Gäste ist es etwas einmaliges, für uns ist jedoch auch jeder Tag herrlich, wenn wir uns auf den Scootern sonnen, während wir auf die Hundeschlitten warten; wenn wir jeden Sonnenstrahl einfangen, jetzt, wo die Sonne wieder da ist und auch wirklich wärmt. Der März bietet etwas unglaublich friedliches: Das Wetter hat sich beruhigt, es schneit kaum noch, man hört immer mehr Vogelarten zwitschern, die Bäume verlieren ihre weiße Last und werden immer grüner. Die Rentiere sonnen sich immer öfter auf dem See - genauso wie die Hunde auf ihren Hütten. Und wir auf unseren Scootern, manchmal sogar fast schon im T-Shirt.