Ein Sommer mit Pinguinen

Am 5.1.2020, Falklandinseln

Recht kurzfristig habe ich letztes Jahr die Möglichkeit bekommen, auf einem Schiff in die Antarktis zu fahren. Klar bin ich dabei. Die Antarktis wollte ich sowieso immer schonmal sehen. Eisberge, Gletscher, Meereis, Pinguine... Wie man sich eben so die Antarktis vorstellt. Bei den Tourenvorbereitungen ist mir dann aufgefallen, für was ich dann tatsächlich unterschrieben habe: Zwei Touren a 3 Wochen, zuerst auf die Falklandinseln, dann ins entlegene Südgeorgien und als krönender Abschluss dann noch zur Antarktischen Peninsula. Eigentlich noch besser - denn Südgeorgien wollte ich auch schon immermal sehen, fasziniert von Shakletons unglaublicher Expedition, sowie Grytviken, berühmt geworden durch den Walfang.

So bin ich also in den Süden geflogen, von einem Ende der Welt zum Andren. Longyearbyen - Tromsø - Oslo - Frankfurt - Buenos Aires - El Calafate - Ushuaia. Sechs Flüge, und dann war ich in der südlichsten Stadt der Welt, eingerahmt von den Bergen Patagoniens, und den Fjorden. Aus Minus 20°C ging es in 35°C in Buenos Aires und um die 17°C hier im Süden. Sommer. Ein Sommer im Winter. Schon seltsam. Das Merkwürdigste ist allerdings, dass die Sonne in die falsche Richtung zu wandern scheint. Sie geht im Osten auf, wandert über den Norden, um dann im Westen unterzugehen. Was man als Kind gelernt hat, stimmt hier auf ein Mal nicht mehr. Man muss umdenken, auf der anderen Seite der Welt.

Nach dem Kennenlernen des Schiffes und des Teams, kamen dann auch schon die Gäste an Bord, und ein paar Stunden später legten wir dann ab, in Richtung Falklandinseln.

Viel von den Falklandinseln ist bei uns im Norden nicht bekannt. Klar hat man schon mal vom Falklandkrieg gehört, aber so ein richtiges Bild hat man von diesen Inseln doch nicht. Und so haben mich die Falklandinseln absolut positiv überrascht. Direkt bei der ersten Landung sind wir mit Pinguinen am Strand spazieren gegangen, haben Küken auf ihrem Nest gesehen, standen nur ein paar Meter entfernt von Albatrossen und ihren Kleinen, sind durch paradiesähnliche Landschaften gelaufen, mit blauen Buchten, die dazu einluden, schwimmen zu gehen. Wir mussten natürlich arbeiten, also wurde aus dem Schwimmen nichts, aber auch einfach nur am weichen Sandstrand zu stehen, die Pinguine zu beobachten mit dem Meeresrauschen im Hintergrund fühlt sich beinah wie Urlaub an.

Doch für mich war es das Erste Mal an Bord eines so großen Schiffes (200 Gäste), das Erste Mal hier unten im Süden, das erste Mal als Guide in solch einem “großen” Team. Und es gab viel zu lernen: Angefangen bei den ganzen Namen der verschiedenen Orte, über all die Tiere, ihre Gewohnheiten, und generell alles Mögliche über Land und Leute.

Doch gerade die Pinguine faszinierten mich. Wie sie von einem Nest zum Nächsten laufen, um Steine zu klauen. Wie sie einen einzelnen kleinen Stein hundert Meter weit tragen, nur um ihn seiner Geliebten zu schenken. Wie die kleinen Küken in ihrem braunen Daunenfedern auf den Nestern stehen oder liegen und darauf warten, dass ihre Eltern mit Fisch wieder zurückkehren. Und wenn dann ein Raubvogel über die Kolonie hinwegfliegt, bricht Hektik aus. Die Erwachsenen Pinguine versuchen, ihre Schnäbel in die Luft zu halten, die Kleinen ducken sich weg und hoffen, diesmal verschont zu bleiben. Pinguine sind faszinierend - auch wenn man ihre Anwesenheit schon mehrere hundert Meter weit am Geruch vorhersagen kann.

Hier unten konnten wir Albatrosse bestaunen, wie sie mit erhabener Eleganz über die Wellen gleiten, und wie sie mit Zögern aufs Land zusteuern und dann in einer Bruchlandung hoffentlich in der Nähe ihrer Kleinen in der Kolonie landen. Wir durften Albatrosse beobachten, die mit ihrem Partner zärtliche Begrüßungsrituale austauschen.

Die Falklandinseln sind ein Interessanter Mix aus verschiedenen Elementen. Schafe neben Pinguinen. Moderne neben Historie. Geschichte neben Zukunft. Wale neben Albatrossen. Kliffe neben flachen Ebenen und magischen Buchten. Eigentlich nur schwer in Worte zu fassen. Ein Ort, den ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Wenn wir mit unserem Team in einer Bucht anlanden, dann markieren wir den Weg für unsere Gäste, und positionieren uns selbst an zentralen Schlüsselpunkten, für einen reibungslosen Ablauf und um alle möglichen Fragen der Gäste beantworten zu können. In Kontakt stehen wir dabei über Radios. Doch manchmal liegt eine ganz schöne Strecke zwischen uns, und gerade wenn ein Berg dazwischen ist, erreichen wir uns nicht unbedingt. Für solche Fälle gibt es natürlich Radios mit größeren Antennen und stärkerem Funk, manchmal montiert auf einem Auto. Und genau solch ein Auto war an einem Tag mein Arbeitsplatz: Auf dem Gipfel geparkt, mit gepolsterten Sitzen, die Füße aus dem Fenster hängen lassen und in warmen 15°C auf den Autositzen liegend Funksprüche von einem zum nächsten weiterleiten. Um einen herum fliegen alle möglichen Gänse und Falken.

Solche Tage sind purer Luxus, und können kaum entspannter sein - doch Südgeorgien sollte noch vor uns liegen...