Guiding

Am 16.7.2017, Grönland

Etwa zwei Wochen lang hatte ich nun die Möglichkeit, als zweiter Guide auf einer Wandertour mitzuhelfen. Diese Chance habe ich natürlich sofort angenommen, und bin froh, dass ich so viele neue Erfahrungen sammeln konnte. Denn es war keine einfach Tour: Das Wetter und die grönländischen Spezialitäten machten die Arbeit als Guide nicht einfach. So konnten wir am Anfang nicht wie geplant mit den Booten losziehen, da der Fjord voller Eis war. Eines Morgens dann aber sind wir aufgewacht und bekamen die Nachricht: In einer Stunde geht es los! Damit hätte ich niemals gerechnet. Schnell musste ich noch die letzten Sachen zusammensuchen, die wir draußen in der Wildnis brauchen würden. Zelte abbauen, alles in die Boote verladen und die Fahrt ging los nach Tinnet, wo wir unser erstes Lager aufschlugen.

Eine weitere grönländische Spezialität sind die Mücken, die uns gerade im Camp bei Tinnet ziemlich geplagt haben und sich einfach nicht vertreiben ließen. Wir haben alles versucht: Vom einzeln erschlagen bis hin zum Ausräuchern des Zeltes. Überall waren Mückenstiche, doch irgendwie scheine ich mich schon ziemlich daran gewöhnt zu haben.

An einem Tag sind wir auf den Hausberg Tinnets gestiegen und dieser Berg ist wie fast alle Berge hier: Man sieht den Gipfel erst, wenn man auf ihm steht. Der Berg zog sich weiter und weiter, höher und höher. Doch endlich am Gipfel angekommen, war die Aussicht atemberaubend! Man konnte mehre Kilometer weit zu beiden Seiten in den Sermilik-Fjord schauen, der voller Eis war. So schön das ganze auch aussah, so schwierig ist es bei so einer Eislage, mit den Booten durchzukommen. Das Eis in diesem Fjord war auch schuld daran, dass wir die geplante Tour nicht durchführen konnten, sondern spontan ein Ersatzprogramm auf die Beine stellen mussten.

Einmal haben wir die Zelte abgebaut und alles zusammengepackt um weiterzuziehen, als uns die Nachricht erreichte, dass an dem Tag doch keine Boote kommen können. Nebel und Eis sind Schuld. Ein anderes Mal kamen die Boote dann mehrere Stunden später, da eines bei Ebbe hängen geblieben ist und nicht weiterfahren konnte. Nach drei Nächten in der Nähe von Tinnet konnten wir weiterziehen und liefen in die Wildnis – fast zumindest.

Unser nächstes Camp errichteten wir in der Nähe einer Jägerhütte; und wir kamen später an als die Boote, weshalb wir nicht selbst unser Gepäck ausladen mussten, das die Boote von einem Camp zum nächsten fuhren. Den Tag darauf wanderten wir in dem nächstgelegenen, wunderschönen Tal Richtung Norden, das von einem Fluss und den Gletschern im Hintergrund geprägt ist. Die Farben hier sind so vielfältig!

Nach zwei Nächten an der Jagdhütte – mit abendlichem Lagerfeuer aus angeschwemmten Holz – verlagerten wir an den Gletscher in der Nähe von Kulusuk. Der Gletscher war wohl das Highlight der gesamten Tour. Auf so einer riesigen Eisfläche zu stehen, ist immer wieder etwas Besonderes.

Am Ende kam jedoch leider ein Sturm auf, der die Zelte ziemlich durchbiegen ließ. Es wurde schließlich ein Boot aus Kulusuk geschickt, um uns zu evakuieren, das sich durch die Wellen und den Regen zu uns durchkämpfte. Nur mit dem Nötigsten an Mann stiegen wir in die kleine Nussschale ein, die eigentlich viel zu klein für so viele Menschen war. Auf Sicherheitsvorkehrungen wie Schwimmwesten konnte hier auch keine Rücksicht mehr genommen werden. Hauptsache weg – und unser Gepäck blieb im Sturm in den Zelten. Halb auf Dänisch, halb auf Grönländisch konnte ich mich mit dem Bootsfahrer verständigen, der mir den Kontakt zum Hostel Kulusuk ermöglichte, in dem wir dann glücklicherweise unterkamen. Der Luxus nach einem Tag im Zelt war unglaublich! Ein richtiger Tisch, richtige Stühle, viel Platz und eine Toilette. Zwar im grönländischen Stil (also ein Plumsklo), doch besser als ein Loch in der Erde ist es allemal.

Trotz all dieser Schwierigkeiten war es aber eine schöne Zeit. Die Gruppe war echt gut drauf und hat gut zusammengepasst. So viel wie in diesen zwei Wochen habe ich selten gelacht. Eine echt coole Truppe. Die Gäste haben mir auf meiner ersten Tour die Arbeit einfach gemacht – im Gegensatz zu der ganzen Organisation. Auch die Tagestouren in dem mir unbekannten Gelände, die ich geführt habe, liefen alle gut. Und obwohl wir nicht die ursprünglich geplante Tour gehen konnten, kam insbesondere der Gletscher gut an, der im ursprünglichen Programm gar nicht vorgesehen war. Diese Tour wird mir wohl noch lange im Gedächtnis bleiben, und ich muss mich bei der Gruppe für diese schöne Zeit bedanken.